Um Trinkwasser zu sparen, werden zunehmend Regenwassergewinnungsanlagen installiert und das aufgefangene Regenwasser insbesondere zur Toilettenspülung verwendet. Hier wird also durch Regenwasser für Toiletten und Waschmaschine „Schmutzwasser“ in die Kanalisation eingeleitet, welches nicht über den Frischwasserbezug erfasst wird und diesen reduziert. Es liegt also eine Benachteiligung derjenigen Grundstückseigentümer vor, die nachweislich ihr gesamtes Wasser aus der öffentlichen Wasserversorgungsanlage beziehen.

Gemäß Art. 8 des Kommunalabgabengesetzes (KAG) i. V. m. § 9 der Beitrags- und Gebührensatzung zur Entwässerungssatzung (BGS-EWS) werden für die Benutzung der Entwässerungseinrichtung Einleitungsgebühren erhoben. Die Höhe der Einleitungsgebühren wird nach der Menge der Abwässer berechnet, die der Entwässerungseinrichtung von dem angeschlossenen Grundstück zugeführt wird. Als Abwassermengen gelten die dem Grundstück aus der öffentlichen Wasserversorgungsanlage und aus der Eigengewinnungsanlage zugeführten Wassermengen (§ 10 Abs. 2 Satz 1 BGS-EWS).

Der Frischwasserbezug wird durch Wasserzähler ermittelt. Das zur Toilettenspülung oder zum Wäschewaschen verwendete Regenwasser kann der Gebührenpflichtige mittels geeichter Wasserzähler erfassen. Voraussetzung ist allerdings, dass den Stadtwerken die Anbringung von Messvorrichtungen mitgeteilt wird. Sind die Zähler überprüft und abgenommen, erfolgt die alljährliche Ablesung und Berechnung der Benutzungsgebühren für die Regenwassereigengewinnungsanlage nach dem Ergebnis der Zwischenzähler von Amts wegen. Die Kosten für die Wasserzähler einschl. Installation hat der Grundstückseigentümer zu tragen.

Sollte auf die Anbringung von zusätzlichen Zählern verzichtet werden, sieht § 10 Abs. 5 der BGS-EWS eine Pauschalregelung vor. Als dem Grundstück aus der Eigengewinnungsanlage zugeführte Wassermenge sind pauschal 23 cbm pro Jahr und Einwohner anzusetzen. Maßgebend hierfür sind die Verhältnisse am 30.06. eines Jahres.

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Wichtige Hinweise !!!

1. Die Brauchwasserleitungen sind deutlich sichtbar und so dauerhaft (z. B. durch farbli­che Unterscheidung der Brauchwasserleitungen, § 17 TrinkwV)) zu kennzeichnen, dass ein späteres, versehentliches Verwechseln mit Trinkwasserleitungen ausgeschlos­sen werden kann. Aus Gründen des Korrosionsschutzes werden als Werkstoff Edelstahl oder Kunststoff empfohlen.

2. Während niederschlagsarmer Zeiten ist die Funktionstüchtigkeit der Anlage durch Zu­speisung von Trinkwasser sicherzustellen. Dies muss durch eine zentrale Einspeisung in den Sammelbehälter über einen freien Auslauf mit Trichter oberhalb der Rück­stau­ebene erfolgen. Die DIN 1988 ist zu beachten.

3. Der eingesetzte Sammelbehälter muss den in der DIN 4261 Teil I Ziffer 5.2 ge­nannten Anforderungen entsprechen.

4. Der Sammelbehälter muss einen Notüberlauf ( > 100 mm Durchmesser) erhalten.

5. Die Herstellung einer direkten Leitungsverbindung zwischen dem Trinkwasser- und Re­genwasserleitungsnetz ist verboten. Schieberabtrennungen sind unzulässig.

6. Am Trinkwasserhausanschluss (z. B im Anschlussraum) ist ein Hinweisschild mit folgender Aufschrift anzubringen:

7. Alle Zapfstellen, die mit Regenwasser gespeist werden, sind gemäß DIN 1988, Teil 2 Abs. 3.3.2 wie folgt zu kennzeichnen:

8. Außenliegende Zapfstellen bzw. Auslaufventile sind zusätzlich durch Steckschlüssel vor unbefugter Benutzung zu sichern. Entnahmestellen sollten in einer für Kinder nicht erreichbaren Höhe angebracht werden.

9. Bei der Beregnung von Außenflächen ist darauf zu achten, dass keine Personen mit dem Beregnungswasser in Berührung kommen.

10. Die Regenwassereigengewinnungsanlage ist vor Inbetriebnahme von den Stadtwerken Neunburg vorm Wald und vom Zweckverband zur Wasserversorgung der Nord-Ost- Gruppe Neunburg vorm Wald abnehmen zu lassen.

11. Die Regenwassereigengewinnungsanlage ist stets in ei­nem vorschriftsmäßigen und be­triebssicheren Zustand zu halten. Die Leitungen sind in der Regel einmal jährlich - bei Bedarf öfter - zu reinigen und zu spülen. Schäden sind unverzüglich zu beseitigen. Die Grundstücksentwässerungsanlage ist entsprechend der Entwässerungssatzung in Ab­ständen von zehn Jahren von fachlich geeigneten Unternehmen auf Bauzustand, ins­besondere Dichtheit und Funktionsfähigkeit zu untersuchen und festgestellte Män­gel be­seitigen zu lassen. Über die durchgeführten Untersuchungen und über die Mängelbeseitigung ist der Stadt - Stadtwerke - Neunburg vorm Wald eine Bestätigung des damit beauftragten Unterneh­mens vorzulegen.

12.
Weitere Nebenbestimmungen, die sich im öffentlichen Interesse als notwendig erweisen sollten, bleiben vorbehalten.

Weitere wichtige Hinweise

  • Damit die Gefahr der Keimvermehrung verringert wird, soll für den Speicher ein gleich­bleibend kühler Standort gewählt werden. Lichteinfall ist zu unterbinden, da es sonst zu Algenwachstum kommt.

  • Bei langen Standzeiten ohne Betrieb, z. B. Ferien, wird empfohlen die Brauchwasser­leitungen zu entleeren.

  • Die Regenwasserzuläufe vom Dach zum Speicherbehälter sollen mit Vorrichtungen (Filtersammler im Fallrohr oder Kiesfilter vor dem Sammelbehälter) zur Rückhaltung von Feststoffen ausgestattet sein.

  • Den Regenwasserspeichern kann eine leicht zu reinigende Vorkammer mit Überlauf in den Tank als Sedimentationskammer vorgeschaltet sein.

  • Anlagen zur Regenwassergewinnung bedürfen einer regelmäßigen Wartung. Dachrin­nen sollen möglichst sauber gehalten und Ablagerungen aus dem Sammelbehälter entfernt werden. Ebenso wird empfohlen, die Filter zu reinigen und die Funktionsfähigkeit der Pumpe zu überprüfen. Folgende Wartungs- und Inspektionsintervalle werden vorgeschlagen:
Anlagenteil
Inspektion
Reinigung bzw. Wartung
     
Dachrinne
alle 2 Monate
2 mal jährlich
Laubfangsieb
alle 2 Monate
2 mal jährlich
Feinfilter
alle 2 Monate
alle 2 Monate
Sammelbehälter
alle 2 Monate
mind. 1 mal jählich
Druckerhöhungsanlage
1 mal jährlich
1 mal jährlich
Rohrleitungen
1 mal jährlich
bei Bedarf
Trinkwassernachspeisung
1 mal jährlich
bei Bedarf

Der Abschluss eines Wartungsvertrages mit einem Installateur wird empfohlen. Der Be­treiber einer Anlage zur Regenwassernutzung ist für den ordnungsgemäßen Betrieb der Anlage und für evtl. auftretende Schäden (Haftungsansprüche) allein verantwortlich.

  • Das Regenwasser wird durch das Material und die Verschmutzung der Dacheindeckung (z. B. Vogelkot) biologisch und chemisch belastet. Beim Wäschewaschen werden be­stimmte Keime und Sporen den Waschvorgang (niedrige Temperaturen) und die Trock­nung überstehen. Auf das bestehende Hygienerisiko wird besonders hingewiesen